
Bangladesch-Reise
Zwischen Megastadt, Flussleben und grünen Hügeln
11 Minuten Lesezeit · 42 Originalfotos
Andere Rhythmen.
Neue Blickwinkel.
Begegnungen, die bleiben. ♡
Mehr als eine Reise
Von Dhaka in die Dörfer im Norden, zu Teefeldern, ans Meer und in die Hügel von Bandarban. Joshua reist mit seiner Kamera – und erzählt auch von dem, was auf einem schönen Bild nicht zu sehen ist.
Unsere Route
Die wichtigsten Etappen auf einen Blick. Dazwischen: Umwege, Begegnungen und das echte Leben unterwegs.
Etappen entdecken ↓- 1Dhaka
- 2Daulatdia
- 3Nördliche Region
- 4Dhaka
- 5Nordosten
- 6Chittagong
- 7Cox’s Bazar
- 8St. Martin
- 9Bandarban
Kapitel unserer Reise
11 Kapitel. Viele kleine Momente. Eine persönliche Geschichte.
01Über Dubai nach Dhaka
02Dinge sehen, die sich nicht in schöne Bilder verwandeln lassen
03Ein Fort, ein Zug und ein anderer Rhythmus
04Auf dem Wasser, mit dem Pferdewagen und am Tisch
05Zurück in Dhaka – Fluss und Werften
06Der grüne Nordosten und eine notwendige Pause
07Nachtzug nach Chittagong
08Cox’s Bazar – warten auf das Wasser
09St. Martin – ein Hund mit Interesse am Mikrofon
10Bandarban – erst warten, dann hinauf
11Zurück nach Dhaka, Frankfurt und Münster
Jetzt blättern wir zurück.
↓Über Dubai nach Dhaka
Am 11. Januar 2026 begann meine Reise nach Bangladesch am Frankfurter Flughafen. Über Dubai ging es nach Dhaka. Ich war mit meiner Kamera unterwegs und wollte Menschen, Straßen und das Leben zwischen den bekannten Bildern kennenlernen. Was mich erwartete, ließ sich vor der Ankunft nur schwer zusammenfassen. Nach den ersten Tagen war das nicht unbedingt einfacher geworden – dafür war die Sammlung an Eindrücken bereits sehr groß.
Die ersten beiden Nächte verbrachte ich in einem komfortablen Hotel. Pool, Spa und Sicherheit standen in einem deutlichen Gegensatz zu vielem, was ich draußen sah. In einer Videonachricht versuchte ich, dieses Nebeneinander zu beschreiben. Ich genoss den Komfort, fühlte mich mit dem Unterschied aber nicht durchgehend wohl. Diese Spannung sollte auf der Reise noch mehrfach wiederkommen.



Mit meinem Guide bekam ich einen Zugang zur Stadt, den ich allein so nicht gehabt hätte. Zwischen Straßen und Wasser, Gesprächen und Kamera gab es ständig etwas Neues. Gleichzeitig merkte ich schnell: Es würde keine Reise werden, bei der ich abends einfach die besuchten Sehenswürdigkeiten aufzählen konnte. Viele Begegnungen brauchten mehr Zeit, auch später beim Nachdenken.
Zur Kapitelübersicht ↑Dinge sehen, die sich nicht in schöne Bilder verwandeln lassen
Ein Besuch in Daulatdia konfrontierte mich mit sexueller Ausbeutung und schwierigen Lebensbedingungen. Ich war begleitet unterwegs und musste meine Ausrüstung zeitweise zurücklassen. Die Eindrücke beschäftigten mich stark. In meinen Nachrichten versuchte ich, das Gesehene einzuordnen, aber ein kurzer Besuch macht niemanden zum Experten für die Lebensgeschichten anderer Menschen.
Dieser Teil gehört zur Reise, ohne dass daraus eine bebilderte Attraktion werden soll. Ich möchte ihn weder aus der Erinnerung streichen noch mit dramatischen Einzelheiten ausschmücken. Vor allem blieb das Gefühl, wie ungleich Möglichkeiten und Sicherheit verteilt sind. Manche Erfahrungen lassen sich ehrlicher in wenigen zurückhaltenden Sätzen erzählen als mit möglichst vielen Fotos.
Zur Kapitelübersicht ↑Ein Fort, ein Zug und ein anderer Rhythmus
Am 15. Januar standen in Dhaka unter anderem das Lalbagh Fort und die Universität auf dem Programm. Danach folgte eine lange Zugfahrt Richtung Norden. Acht Stunden unterwegs zu sein bedeutete auch, der Stadt langsam beim Verschwinden zuzusehen und Platz für andere Landschaften zu bekommen.
Zu dieser Fahrt gehörte ein Abschnitt auf dem Zugdach. Die Aufnahmen zeigen, dass es tatsächlich passiert ist. Es war riskant; ich beschreibe es hier als Teil meiner Reise, nicht als Tipp zum Nachmachen. Der Wechsel zwischen Begeisterung über neue Perspektiven und der Frage, was man dafür in Kauf nimmt, gehört ebenfalls in ein ehrliches Reisetagebuch.




In den folgenden Tagen besuchte ich Dörfer, eine Schule und Orte nahe der Grenze zu Indien. Mein Guide übersetzte, erklärte und stellte Kontakte her. Die Kamera war oft der Anfang eines Gesprächs, manchmal war sie anschließend einfach nebensächlich. Es wurde gefragt, gelacht und gemeinsam Zeit verbracht. Gerade dort, wo ich ohne Begleitung vermutlich nur vorbeigefahren wäre, blieb ich länger.
Zur Kapitelübersicht ↑Auf dem Wasser, mit dem Pferdewagen und am Tisch
Eine Flussüberquerung brachte uns in etwa anderthalb Stunden weiter. Die Alternative über Land hätte laut unserer Planung einen viel längeren Umweg bedeutet. Auf solchen Strecken wurde mir klar, dass Wasser hier nicht nur Landschaft ist. Es verbindet Orte und entscheidet mit darüber, wie ein Reisetag aussieht.
Nach der Überfahrt ging es unter anderem mit einem Pferdewagen weiter in die Dörfer. In einer Nachricht beschrieb ich die Ruhe dort: weniger Straßenlärm, ein anderer Takt. Mein Guide sagte, dass er selbst ohne unsere gemeinsame Tour wahrscheinlich nicht so tief in diese Gegend gefahren wäre. Für mich war gerade das besonders – nicht nur einen Aussichtspunkt erreichen, sondern Zeit zwischen den geplanten Punkten haben.





Wir wurden zum Essen eingeladen. Es gab Gemüse und Brot, und ich bedankte mich in einer Videonachricht noch einmal für die Gastfreundschaft. Mir gefiel, wie eine zunächst fremde Situation durch gemeinsames Essen vertrauter wurde. Das war keine große inszenierte Szene. Es war ein Tisch, eine Einladung und die Zeit, die andere uns schenkten.
Auch die Übernachtungen wechselten. Nach dem Komfort am Anfang schlief ich in sehr einfachen Hotels und nutzte meinen Schlafsack. Dazwischen gab es Schulbesuche mit vielen Fragen. Mein Guide hatte mit dem Übersetzen reichlich zu tun. Wer glaubte, nur ich sei auf dieser Reise neugierig, hätte einmal bei diesen Gesprächen dabei sein müssen.
Zur Kapitelübersicht ↑Zurück in Dhaka – Fluss und Werften
Nach den Tagen im Norden ging es wieder nach Dhaka. Am Fluss sah ich eine andere Seite der Stadt: Boote, Arbeit und große Schiffsrümpfe. In den Werften fotografierte ich Menschen bei ihrer Arbeit. Die Umgebung war eindrucksvoll, gleichzeitig waren die Anstrengung und die Bedingungen nicht zu übersehen.




In einem Clip scherzte ich über meinen „neuen Job“. Solche kurzen Momente entstanden mitten zwischen den ernsteren Eindrücken. Ich konnte für eine Weile dabei sein, Fragen stellen und Bilder machen. Die Menschen dort gingen ihrer täglichen Arbeit nach. Diesen Unterschied möchte ich beim Erzählen nicht verschwinden lassen.
Einige meiner bearbeiteten Lieblingsbilder schickte ich erst im Februar nach der Rückkehr. Sie gehören trotzdem zu diesem Reiseabschnitt. Beim Zusammenstellen des Berichts war deshalb nicht das Versanddatum der fertigen Fotos entscheidend, sondern die Station, an der sie entstanden waren.
Zur Kapitelübersicht ↑Der grüne Nordosten und eine notwendige Pause
Im Nordosten änderten sich die Farben. Teefelder, Zitronenpflanzen, ländliche Wege und Wasser bestimmten die nächsten Tage. Nach den großen Straßen und Werften war das ein anderer Blick auf Bangladesch. Ich fotografierte unterwegs, traf Menschen und wurde selbst wieder neugierig begleitet.
Ein paar Mädchen folgten uns mit ihren Fahrrädern. An anderer Stelle entstand ein kleines Fotoshooting mit einem Paar. Das sind Bilder, die für mich viel mit der Reise zu tun haben: nicht nur irgendwo stehen und ein Motiv suchen, sondern in eine Situation hineingeraten, die erst durch die Begegnung entsteht.





Dann brauchte mein Magen eine Pause. Ich entschied mich für drei Nächte in einem Resort, um mich zu erholen. Reisen besteht nicht nur aus dem Weiterfahren; manchmal ist eine feste Unterkunft und weniger Programm die sinnvollste Entscheidung. Nach den einfachen Zimmern und den intensiven Tagen fiel mir der Komfort wieder besonders auf.
Auch hier blieb das Bewusstsein, dass ich wählen konnte. Ich konnte mir eine Pause nehmen, ein anderes Hotel buchen und meine Pläne anpassen. Das machte die Erholung nicht falsch, aber es gehörte zu dem, worüber ich nachdachte. Nach einigen Tagen ging es weiter Richtung Süden.
Zur Kapitelübersicht ↑Nachtzug nach Chittagong
Am 27. Januar nahm ich den Nachtzug nach Chittagong. Die Fahrt dauerte ungefähr neun Stunden. Mit Gepäck und Kamera war ich aufmerksam unterwegs und froh, als die nächste Station erreicht war. Eine sehr kleine Zwischenverpflegung sorgte für eine sehr große Erkenntnis: In der Chipstüte war vor allem Luft. Dieser internationale Klassiker funktionierte offenbar auch hier.
Chittagong brachte mich wieder mitten in die Stadt. In einer längeren Videonachricht nahm ich die Familie mit durch Märkte, auf eine Rikscha und ans Wasser. Gewürze, Obst, Fisch, Verkehr und Menschen lagen dicht beieinander. Ich schaute viel, filmte und versuchte nebenbei zu beschreiben, was alles gleichzeitig passierte.


Manches begeisterte mich, anderes war schwer anzusehen. Ein Markt ist ein Arbeitsplatz und kein für Reisende arrangiertes Bild. Die körperliche Arbeit, das Gedränge und einzelne belastende Szenen gehörten dazu. Nicht alles aus meinen Aufnahmen ist deshalb hier zu sehen. Die Erinnerung an den Tag braucht nicht jede Nahaufnahme, um vollständig erzählt zu werden.
Bei einem Besuch auf einem Schiff gab es außerdem ein Treffen mit dem Kapitän. Solche Begegnungen sorgten immer wieder dafür, dass aus „Ich schaue mich einmal um“ etwas Persönlicheres wurde. Und sie erinnerten mich daran, die Kamera gelegentlich auch auf ein ganz gewöhnliches gemeinsames Erinnerungsfoto zu richten.
Zur Kapitelübersicht ↑Cox’s Bazar – warten auf das Wasser
Ende Januar erreichte ich Cox’s Bazar. Nach Stadt und Nachtzug öffnete sich die Landschaft zum Meer. Am Strand lagen Fischerboote; manche warteten darauf, dass die Tide ihre Weiterfahrt wieder möglich machte. Männer arbeiteten an Netzen. Der Strand war also gleichzeitig Küste, Arbeitsplatz und Treffpunkt.




Ich fotografierte Boote, Menschen und das Licht am Abend. Auf den Bildern wirkt vieles ruhig. Daneben standen meine Gespräche und Beobachtungen, die zeigten, wie viel Arbeit in diesem Ort steckte. Gerade diese Verbindung blieb für mich interessant: ein schönes Bild nicht als Abschluss zu sehen, sondern als Einstieg in das, was dahinterliegt.
Von hier führte die Reise weiter nach St. Martin. Noch einmal auf ein Boot, noch einmal eine andere Umgebung. Die Insel sollte einige besonders schöne und besonders nachdenkliche Tage mitbringen – und eine sehr unerwartete Auseinandersetzung um meine Tonausrüstung.
Zur Kapitelübersicht ↑St. Martin – ein Hund mit Interesse am Mikrofon
Auf St. Martin fand ich eine günstige Unterkunft im Inneren der Insel. Rundherum lagen Küste, Häuser, Wege und Palmen. Ich machte Spaziergänge, fotografierte und kam mit einem Fischer ins Gespräch, der mir mehr von seiner Umgebung zeigte. Aus diesem Kontakt wurde ein persönlicher Austausch, der mich emotional beschäftigte.
Die Insel war schön, und trotzdem konnte ich die Schwierigkeiten des Alltags dort nicht übersehen. In meinen Nachrichten schrieb ich über harte Arbeit und begrenzte Möglichkeiten. Ich möchte die Menschen, denen ich begegnet bin, deshalb nicht auf ihre wirtschaftliche Situation reduzieren. Im Gedächtnis sind genauso Humor, Gastfreundschaft, Gespräche und die Zeit, die wir miteinander verbrachten.





Und dann war da der Hund. Er schnappte sich den flauschigen Windschutz meines Mikrofons und machte daraus sein eigenes Spielzeug. Mein Versuch, die Situation zu dokumentieren, wurde dadurch selbst zum Motiv. Mit Hilfe kam die kleine Verfolgung zu einem Ende. Zwischen all den großen Eindrücken war das ein vollkommen unvorhergesehener, sehr komischer Zwischenfall.
Später gab es Fisch vom Grill. Wenn ich an die Insel zurückdenke, stehen diese Erinnerungen nebeneinander: die Küste im Abendlicht, das Essen, ein Gespräch, das nachwirkte, und der Hund, der meine Ausrüstung interessanter fand als meine Reisepläne.
Zur Kapitelübersicht ↑Bandarban – erst warten, dann hinauf
Die Weiterreise nach Bandarban ließ sich nicht einfach spontan erledigen. Zunächst fehlte die Erlaubnis, und ich musste warten. Erst Anfang Februar konnte der Besuch mit Begleitung stattfinden. Aus dem geplanten nächsten Schritt wurden mehrere Nachrichten mit offenem Ausgang. Das gehört genauso zur Route wie die Strecke, die man am Ende tatsächlich fährt.
Am 3. Februar war es schließlich so weit. Mit lokaler Begleitung ging es in die Berglandschaft. Nach Küste, Städten und Feldern kam ein weiterer Teil Bangladeschs dazu: Hügel, schmale Wege, Dschungel und Aussichtspunkte. Die Fotos zeigen, warum ich froh war, diesen Abschnitt doch noch erleben zu können.




Unterwegs begegneten wir Menschen bei ihrer Arbeit. Bei einem Hausbau wurde Material getragen; mein Angebot zu helfen wurde nicht angenommen. Ich schaute zu und ging weiter. Nicht jede Begegnung braucht einen großen eigenen Beitrag. Manchmal ist man einfach Besucher und sollte das auch bleiben können.
Später waren wir am Sangu unterwegs. Wasser und bewaldete Hänge gaben diesem Abschnitt noch einmal ein anderes Gesicht. Dazu kam ein Tempelbesuch mit einer Gebetsaufnahme. Die vielen Unterschiede innerhalb dieser Reise waren inzwischen kaum noch in einer einzigen Nachricht unterzubringen.



Zurück nach Dhaka, Frankfurt und Münster
Die Rückfahrt nach Dhaka führte mich noch einmal in einen Nachtbus. Rund neun bis zehn Stunden waren eingeplant. Am Ende der Reise war vieles vertrauter geworden: lange Fahrten, Gepäck organisieren, einen neuen Tag an einem anderen Ort beginnen. Trotzdem gab es bis zuletzt Überraschungen. Ein Geldautomat behielt noch meine Karte ein – ein Abschiedsdetail, auf das ich gut hätte verzichten können.



Am 7. Februar meldete ich mich aus Frankfurt und später aus Münster. Damit war die Reise zu Ende, das Sortieren aber noch lange nicht. Mitte Februar folgten bearbeitete Bilder. Beim erneuten Anschauen kamen Gespräche und kleine Situationen zurück, die zwischen den großen Stationen gelegen hatten.
Bangladesch bleibt für mich eine Reise voller Gegensätze. Luxushotel und einfaches Zimmer, laute Straße und ruhiger Fluss, Erschöpfung und Begeisterung lagen manchmal nur einen Tag auseinander. Am stärksten sind die Begegnungen geblieben: Menschen, die mich einluden, mir etwas zeigten, Fragen stellten oder mit mir lachten. Dazu kommen Eindrücke, für die es keinen leichten abschließenden Satz gibt. Auch sie dürfen bleiben.
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