
Ghana-Reise
Begegnungen, Schulalltag und neue Perspektiven
12 Minuten Lesezeit · 36 Originalfotos
Ein Land kennenlernen.
Und immer wieder Menschen begegnen. ♡
Mehr als eine Reise
Von Filmprojekten in Tema über Accra und Koforidua bis in die Volta-Region: erst gemeinsam, dann reist Sophia weiter. Eine Reise mit offenen Türen, langen Schultagen und Fragen, die bleiben.
Unsere Route
Die wichtigsten Etappen auf einen Blick. Dazwischen: Umwege, Begegnungen und das echte Leben unterwegs.
Etappen entdecken ↓- 1Accra
- 2Tema
- 3Koforidua
- 4Boti
- 5Sakumono
- 6Ehi
- 7Keta
Kapitel unserer Reise
10 Kapitel. Viele kleine Momente. Eine persönliche Geschichte.
01Ankommen in Tema – mit Kameras und vielen Fragen
02Ein Schulbesuch wird zum gegenseitigen Kennenlernen
03Accra – Handwerk, Hitze und ein bisschen Reizüberflutung
04Koforidua – grüner, bergiger und sehr persönlich
05Umbrella Rock – und ein Wasserfall ohne Wasser
06Ein heißer Motor, Maniok und Fußball
07Abschied zu zweit, Weiterreisen allein
08Sophias Wochen zwischen Schule und Gastfamilie
09Mit meiner Schwester in die Volta-Region
10Noch ein Lied – und dann zurück nach Hause
Jetzt blättern wir zurück.
↓Ankommen in Tema – mit Kameras und vielen Fragen
Am 7. Februar 2025 tauschten wir den deutschen Winter gegen Ghana. Von Frankfurt ging es über das regnerische Lissabon nach Accra. Schon am ersten Abend wurden wir herzlich empfangen; die erste Nacht verbrachten wir in einem Gästehaus nahe unserer Gastgeber in Tema. Wir waren nicht mit einer fertigen Liste voller Sehenswürdigkeiten gekommen. Ein wichtiger Teil dieser Reise waren Filmaufnahmen für zwei Projekte: ein Krankenhaus im Bau und eine Schule, die eine Solaranlage benötigte.
Zwischen Ankunft und ersten Terminen begann das Kennenlernen ganz nebenbei. Wir beobachteten beladene Fahrzeuge, Mopeds zwischen Autos und den Alltag am Straßenrand. Bei den Temperaturen musste sich nicht nur unser Gepäck umstellen: Nachmittags zeigte das Thermometer über dreißig Grad. Zu Hause schrieb die Familie aus einem anderen Wetterbericht zurück. Dieser kleine Austausch sollte uns durch die gesamte Reise begleiten.



Nach einem dreistündigen Gottesdienst wurden wir in ein Restaurant eingeladen. Das Essen war sehr lecker. Und sehr scharf. In unseren Nachrichten bekam das Wort „sehr“ vorsichtshalber gleich mehrere zusätzliche Buchstaben. Diese Kombination – begeistert essen und anschließend über die Schärfe staunen – wurde in den nächsten Tagen zu einem wiederkehrenden Motiv.
Zur Kapitelübersicht ↑Ein Schulbesuch wird zum gegenseitigen Kennenlernen
Am 10. Februar waren wir in der Robert Memorial School. Wir sammelten Aufnahmen für ein Spendenvideo zur geplanten Stromversorgung durch Solarenergie. Vor Ort wurde uns erklärt, warum das wichtig war: Werk- und Computerräume konnten ohne ausreichende Versorgung nicht wie gewünscht genutzt werden. Die Schule zeigte uns, dass hinter einem Wort wie „Solarsystem“ sehr konkrete Möglichkeiten stecken. Es geht darum, was Kinder im Unterricht ausprobieren und lernen können.
Die Kamera blieb dabei nicht die einzige Verbindung. Schülerinnen und Schüler holten uns in ihre Klasse und wollten etwas über Deutschland erfahren. Aus einem Besuch zum Filmen wurde ein Austausch, in dem wir selbst genauso viele Fragen hatten. Sophia bekam einen Tanz beigebracht, und wir lernten erste Wörter: „Akwaaba“ zur Begrüßung und „Medaase“ als Dankeschön. Nachmittags kamen Gespräche und Fußball dazu.





Eine Frage ist besonders hängen geblieben: Ob Sophia die Königin von Amerika sei. Nach der Erklärung, dass wir aus Deutschland kommen, stand als Nächstes die Königin von Deutschland zur Debatte. Joshua wurden beim Fußball offenbar ebenfalls größere Möglichkeiten zugetraut: ob er Kontakte zu den großen deutschen Vereinen habe. Wir waren also kurzzeitig ein ungewöhnlich gut vernetztes Reiseteam. Vor allem aber waren es neugierige Gespräche darüber, wie Menschen anderswo leben.
Am nächsten Tag filmten wir wieder am Richland Specialist and Diagnostic Centre. Das Krankenhaus befand sich damals noch im Bau. Danach ging es erneut zur Schule. So eng lagen Arbeit, Einladungen zum Essen und Begegnungen in diesen Tagen beieinander. Wir kamen wegen zweier Filmprojekte und fanden sehr schnell Menschen, zu denen wir gern zurückkehrten.
Zur Kapitelübersicht ↑Accra – Handwerk, Hitze und ein bisschen Reizüberflutung
Am 12. Februar fuhren wir mit einem Trotro nach Accra. Rund eine Stunde saßen wir im Kleinbus. Es war unser erster richtiger Ausflug auf eigene Faust, und aus der Familie kam prompt die Frage, ob wir tatsächlich allein unterwegs seien. Ja, waren wir. Nach den begleiteten Tagen in Tema wollten wir uns selbst durch die Hauptstadt bewegen.
Im Accra Arts Centre wurde es sofort lebhaft. Von mehreren Seiten wurden uns Waren gezeigt, Einladungen zu Ständen ausgesprochen und Gespräche begonnen. Das konnte anstrengend werden, und gleichzeitig beeindruckte uns das Handwerk. Zwischen den Verkaufsständen sahen wir, wie Figuren geschnitzt, Körbe und Hüte geflochten wurden. Hinter jedem fertigen Gegenstand steckten Hände, Arbeit und Zeit. Dafür wollten wir genauer hinsehen.




Danach liefen wir weiter ins Zentrum. Menschen, Waren, Gerüche und Geräusche kamen gleichzeitig auf uns zu; dazu die Hitze. In der Nachricht nach Hause empfahlen wir vor allem Geduld, Wasser und gute Nerven. Wir waren fasziniert und zwischendurch einfach überwältigt. Nicht jeder intensive Reisemoment fühlt sich sofort entspannt an.
Der Besuch des Kwame Nkrumah Memorial Parks brachte einen anderen Schwerpunkt in diesen Tag: die Geschichte des Landes und seiner Unabhängigkeit. Abends gab es Wassermelone. Ein ziemlich einfacher Abschluss für einen Tag, an dem der Kopf schon mehr als genug aufgenommen hatte.
Zur Kapitelübersicht ↑Koforidua – grüner, bergiger und sehr persönlich
Am 14. Februar erreichten wir Koforidua. Unterwegs wurde die Landschaft grüner und bergiger. Nach der ungefähr zweistündigen Taxifahrt trafen wir unseren Kontakt von Kidz Tour Family und lernten unsere Gastfamilie kennen. Das Internet machte zunächst Pause. Die wichtigste Nachricht kam trotzdem durch: gut angekommen, mehr später.
Die Tage bekamen hier einen sehr persönlichen Rhythmus. Stadtspaziergänge wechselten sich mit Besuchen, Kartenspielen und Zeit mit den Kindern der Familie ab. Als Gastgeschenk hatten wir eine Kamera mitgebracht. Sie wurde sofort ausprobiert. Das passte zu einer Reise, auf der Fotos ständig Gespräche auslösten und die Kamera selten lange in der Tasche blieb.




Beim Essen lernten wir ebenfalls dazu. Yam sah für uns zunächst ähnlich aus wie Maniok, doch unsere Nachfrage stellte klar: Das Abendessen war Yam. Die Familiengruppe nahm an diesem kleinen Lernprozess live teil. Später sollten wir Maniok dann tatsächlich kennenlernen, und zwar nicht nur fertig auf einem Teller.
Für Schulbesuche kauften wir Hefte, Stifte und Bälle. Wir sangen, spielten und kamen mit Lehrkräften ins Gespräch. Unsere Eindrücke waren nicht nur leicht: Begrenzte Ausstattung war sichtbar, und körperliche Bestrafungen, von denen wir berichteten, beschäftigten uns. Die Freude an Begegnungen machte solche Beobachtungen nicht weniger schwierig. Beides gehört zu unserer Erinnerung an diese Tage.
Zur Kapitelübersicht ↑Umbrella Rock – und ein Wasserfall ohne Wasser
Zwischen den Schulbesuchen wollten wir auch hinaus in die Natur. Mit dem Trotro ging es Richtung Boti. Vor Ort entschieden wir uns wegen der zusätzlichen Gebühr gegen Aufnahmen mit der großen Kamera und fotografierten mit dem Handy. Ganz nutzlos war die Ausrüstung deshalb nicht: Im Chat bekam die Kamera kurzerhand eine neue Berufsbezeichnung als „Fernglas“.
Nach etwa fünfundvierzig Minuten Wanderung erreichten wir den Umbrella Rock. Landschaft, Felsen und die Bewegung draußen waren eine schöne Abwechslung zu den vollen Tagen zuvor. Die Handybilder gehören deshalb genauso selbstverständlich zu unserem Reisetagebuch wie die sorgfältig bearbeiteten Fotos. Ein Erlebnis wartet schließlich nicht darauf, dass man die richtige Kamera benutzt.



Der Wasserfall selbst bot ein anderes Bild als erwartet: Es war trocken, Wasser fiel keines. Genau das steht heute auch in unserem Bericht. Nicht jeder Ort sieht bei jedem Besuch so aus wie auf den Bildern, mit denen man ihn verbindet. Für unseren Tag waren der Weg und der Felsen die eigentlichen Höhepunkte.
Zurück liefen wir zunächst in die gewünschte Richtung, bis sich eine Mitfahrgelegenheit ergab. Am Ende brachte uns ein Motorradfahrer weiter. Im Familienchat wurde vor allem der fehlende Helm kommentiert. Der liebevolle Elternhinweis war berechtigt; die Fahrt gehört zur Erinnerung, als Empfehlung möchten wir sie so nicht weitergeben.
Zur Kapitelübersicht ↑Ein heißer Motor, Maniok und Fußball
Auf einer weiteren Fahrt zu einer Schule wurde der Motor zu heiß. Während Wasser aus dem nahegelegenen Dorf geholt wurde, hatten wir Gelegenheit, uns umzusehen. Wir lernten etwas über Häuser aus Lehm und Bambus und bekamen einen ungeplanten Einblick in den Alltag am Wegesrand. Zu Hause wurde nach der ADAC-Karte gefragt. Vor Ort war die improvisierte Lösung schneller Teil des Tages als jede Vorstellung von deutscher Pannenhilfe.
Bei den letzten Schulbesuchen rund um Koforidua wurde wieder gesungen und gespielt. Fußball funktionierte ohne lange Einführung. Besonders berührte uns, wie selbstverständlich Kinder Süßigkeiten miteinander teilten. Solche kleinen Beobachtungen waren oft stärker als die großen Zusammenfassungen, die wir abends schreiben wollten.




Im Dorf wurde uns gezeigt, wie Maniok verarbeitet wird. Wir durften selbst schälen und stellten fest, dass Zuschauen deutlich leichter ist als Mitmachen. Später gab es Kokosnüsse. Während wir mit einer beschäftigt waren, hatten andere schon mehrere geschafft. Die Küche dieser Reise bestand eben nicht nur aus Restaurantbesuchen, sondern aus Erklärungen, Versuchen und gemeinsam verbrachter Zeit.
Zur Kapitelübersicht ↑Abschied zu zweit, Weiterreisen allein
Für Joshua endete der Aufenthalt im Februar. Seine Rückreisenachricht kam am 21. Februar; über Lissabon und München ging es anschließend weiter nach Münster. Die Familie kündigte zwölf Grad an, damit der Temperatursprung nicht ganz so hart ausfiel. Joshua bedankte sich für die immerhin nur halbierte Wärme.
Zu unseren gemeinsamen Abschiedserinnerungen gehören ein Strandbesuch und ein letztes Essen mit unseren Gastgebern. Am Meer wurden wir außerdem für ein Schulprojekt zum Müll am Strand interviewt. Das passte zu den widersprüchlichen Eindrücken dieser Tage: Wir genossen das Wasser und die gemeinsame Zeit, während wir zugleich sahen, was die Küste belastete.
Für mich, Sophia, war die Reise noch nicht vorbei. Ich blieb in der Gegend von Tema und Sakumono. Damit änderte sich auch der Blick: Aus den vielen ersten Eindrücken wurde nach und nach ein Alltag. Nicht jeder Tag führte an einen neuen Ort. Dafür wurden die Menschen und Abläufe an den vertrauten Orten wichtiger.
Zur Kapitelübersicht ↑Sophias Wochen zwischen Schule und Gastfamilie
Meine Tage begannen häufig um sechs Uhr morgens und endeten erst am frühen Abend wieder zu Hause. In der Schule nahm ich am Alltag teil und durfte selbst Klassen unterrichten. Die Gespräche mit Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften machten mir viel Freude. Es war schön, wiedererkannt und gefragt zu werden, ob ich noch einmal in eine Klasse kommen würde.
Dazwischen waren Mango und Ananas kleine Höhepunkte. Abends wurde mit den Kindern der Gastfamilie gespielt, Musik gehört oder getanzt. Die Energie dafür schien bei ihnen deutlich länger zu reichen als bei mir. Aus der Familie kam entsprechend die Frage, wie ich diese langen Tage überhaupt schaffte. Manchmal fragte ich mich das abends ebenfalls.




Zu meinem Aufenthalt gehörten auch Gottesdienste und eine Beerdigung, zu der ich mitgehen durfte. Musik, Tanz und das gemeinsame Beisammensein hatten dort einen großen Raum. Einmal verbrachte ich insgesamt sechs Stunden in kirchlichen Veranstaltungen. Für solche Anlässe fehlte mir passende Kleidung im Gepäck; eine Bekannte meiner Gastgeber nähte mir innerhalb weniger Stunden ein Kleid.
Nicht alles konnte ich unbeschwert übernehmen. Körperliche Bestrafungen im Schulalltag und manche Aussagen über die Rolle von Frauen machten mir zu schaffen. Ich fragte nach und suchte Gespräche. Erklärungen halfen mir, die Sichtweisen meiner Gesprächspartner besser zu verstehen, ohne dass ich deshalb mit allem einverstanden war. Diese persönlichen Erfahrungen stehen für die Situationen, in denen ich dabei war; sie erklären nicht ein ganzes Land.
Beim Essen probierte ich weiter. Zu Reisgerichten kamen Bohnen mit Kochbananen und Fufu. Gleichzeitig versuchte ich, die vielen fleischhaltigen Gerichte etwas zu umgehen. Auch solche alltäglichen Entscheidungen gehören zum längeren Bleiben: Man findet heraus, was man mag, was man vermisst und was man noch einmal versuchen möchte.
Zur Kapitelübersicht ↑Mit meiner Schwester in die Volta-Region
Im März bekam ich Besuch von meiner Schwester. Nach gemeinsamer Zeit bei unseren Gastgebern und am Strand brachen wir am 10. März in die Volta-Region auf. Ungefähr vier Stunden fuhren wir im Trotro Richtung Keta. Viel Platz hatten wir nicht, warm war es ebenfalls. Dafür zog draußen eine neue Landschaft vorbei. In Ehi bezogen wir unser Gästehaus und trafen erneut die Kontakte von Kidz Tour Family.
Am nächsten Tag fuhren wir nach Keta. In einem Krankenhaus wurden wir herumgeführt und bekamen Einblicke in die Arbeit vor Ort. Als uns angeboten wurde, bei einer Geburt dabei zu sein, lehnten wir ab. Uns war dabei nicht wohl. Nicht jede Tür, die sich auf einer Reise öffnet, muss man auch durchgehen.




Am Strand durfte ich Fischer fotografieren. Später halfen wir dabei, ein Seil aus dem Wasser zu ziehen, das mit einem Boot verbunden war. Das war deutlich anstrengender, als es beim Zuschauen aussah. Für uns war es eine kurze Erfahrung; für die Männer gehörte diese Arbeit zum Alltag. Die Fotos von Booten und Küste sind schön, aber diese körperliche Erinnerung gehört für mich unbedingt daneben.
Dazwischen probierten wir Palmwein. Uns war gesagt worden, er enthalte keinen Alkohol. Nach dem Trinken auf leeren Magen hatten wir dazu eine sehr eigene Einschätzung. Die kleine Episode landete natürlich ebenfalls im Chat. Eine Reise darf nachdenklich machen und trotzdem ihre komischen Momente behalten.
Zur Kapitelübersicht ↑Noch ein Lied – und dann zurück nach Hause
In der Volta-Region besuchten wir weitere Schulen. Meine Schwester und ich brachten ein Lied mit, das bald nicht nur von den Kindern mitgesungen wurde: Auch der Schulleiter machte lautstark mit. Danach ging es hinaus zum Spielen. Wieder waren es diese gemeinsamen, einfachen Dinge, die einen Besuch persönlich machten.



Am 20. März kamen wir wieder in Deutschland an. Einige Bilder und Erzählungen schickte ich erst danach. Während der letzten Wochen hatte oft die Zeit gefehlt, alles sofort aufzuschreiben. Zu Hause wurde aus den einzelnen Nachrichten noch einmal deutlich, wie viel zwischen dem ersten Empfang in Tema und diesem Rückflug gelegen hatte.
Ghana war für uns kein Rundkurs durch möglichst viele Sehenswürdigkeiten. Die Reise wurde von Projekten, Gastgebern, Schulbesuchen und dem längeren Dableiben geprägt. Wir erinnern uns an Herzlichkeit und an Fragen, die offen geblieben sind; an scharfes Essen, lange Tage, Kameras, Lieder und Gespräche. Und daran, wie viel näher man einem Ort kommt, wenn man irgendwann nicht mehr nur zum ersten Mal ankommt.
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Neue Orte. Neue Geschichten.
Und immer wir. ♡




