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Schneebedeckte Felsen über einem norwegischen Fjord im Morgenlicht.
UNSER REISETAGEBUCH

Nordeuropa-Reise

Mitten im Winter bis ans Nordkap

13. Februar – 28. März 2022
10 Minuten Lesezeit · 26 Originalfotos
Die Geschichte lesen ↓

Nordische Weite.
Winterstraßen.
Und ein Himmel voller Licht. ♡

Grüne Polarlichter am Nachthimmel über dem geparkten Camper.
Nordlichter über dem Van. Dafür bleibt man sehr gern noch ein bisschen wach.
Das Globus-Monument am Nordkap in winterlicher Umgebung.
Am Nordkap angekommen.

Mehr als eine Reise

Rund 11.000 Kilometer zwischen Fjorden, Nordlichtern und winterlichen Straßen. Joshua fährt allein nach Norden – und über Finnland, das Baltikum und Mitteleuropa wieder zurück.

VON ORT ZU ORT

Unsere Route

Die wichtigsten Etappen auf einen Blick. Dazwischen: Umwege, Begegnungen und das echte Leben unterwegs.

Etappen entdecken ↓
Nummerierte Etappen unserer Nordeuropa-Reise; Namen in der folgenden Liste.
Schematische Etappenübersicht, keine exakte Fahrstrecke.
  1. 1Hamburg
  2. 2Oslo
  3. 3Arendal
  4. 4Lofoten
  5. 5Nordkap
  6. 6Helsinki
  7. 7Tallinn
  8. 8Riga
  9. 9Warschau
  10. 10Prag
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Kapitel unserer Reise

8 Kapitel. Viele kleine Momente. Eine persönliche Geschichte.

UNTERWEGS MIT JOSHUA

Jetzt blättern wir zurück.

↓
01

Losfahren, solange der Norden noch Winter hat

Am 13. Februar 2022 ging es los. Erst Hamburg, dann Dänemark, Schweden und weiter nach Norwegen. Ich war allein unterwegs, mit Kamera, einem sieben Meter langen Van und der Aussicht auf einen Norden, der noch lange nicht nach Frühling aussah. Dass diese Reise am Ende rund 11.000 Kilometer lang werden würde, wusste ich beim Aufbruch noch nicht. Genauso wenig wusste ich, wie oft Schnee meine Pläne umschreiben würde.

Schon Oslo machte mir klar, dass ein großer Van und ein spontaner Stadtbesuch manchmal unterschiedliche Vorstellungen voneinander haben. Durch die Stadt zu fahren war deutlich anstrengender als zu Hause in Kassel. Dafür gab es direkt die erste kleine Preisbeobachtung für den Familienchat: eine Kugel Eis für umgerechnet 2,80 Euro. Ich ließ es bei der Beobachtung. Auf dieser Reise sollte es ohnehin noch reichlich Eis geben – nur überwiegend auf der Straße.

Nach Oslo fand ich bei Arendal einen Schlafplatz. Dann folgte die E39, mit einer Landschaft, die selbst durch Regen und Windschutzscheibe großartig aussah. Tunnel, Wasser, Berge, wieder ein Tunnel. Ich schrieb damals von gefühlt fünfzig Tunneln auf der Strecke. Vieles konnte ich gar nicht so festhalten, wie ich es gern getan hätte. Manchmal war Fahren eben wichtiger als Filmen. Für den nächsten Morgen hatte ich dafür einen Plan, der ohne Windschutzscheibe auskam: früh raus und zu Fuß hinauf.

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02

Eine Winterwanderung, die mir die Worte nahm

Am 16. Februar war ich vor Sonnenaufgang unterwegs. Oben am Fjord lag Schnee, die alten Fußspuren waren stellenweise schon wieder verschwunden. In einer Sprachnachricht versuchte ich zu erklären, wie viel davon neben dem Weg lag, und berichtete gleich von meinem eigenen Praxistest: einmal hineingetreten, ein Fuß kalt. Warm laufen war angesagt. Die Familie kommentierte derweil mögliche Wolf-, Elch- und Bärenspuren. Selbst weit weg blieb ich also nicht völlig ohne Begleitung.

Die eigentliche Belohnung war der Blick von oben. Die Sonne ging auf, unter mir lag das Wasser, und ich war allein in dieser gewaltigen Landschaft. Vier Stunden brauchte ich insgesamt für Hin- und Rückweg; weitere vier verbrachte ich oben. Das war kein kurzer Fotostopp. Ich wollte bleiben, schauen, fotografieren und noch einmal schauen. Bei ungefähr minus zehn Grad waren allerdings weder Finger noch Akkus besonders begeistert von diesem Vorhaben.

Schneebedeckte Felsen über einem norwegischen Fjord im Morgenlicht.
Wintermorgen über dem Fjord – einer der eindrücklichsten Orte dieser Reise.
Kamera auf einem Stativ über dem verschneiten Fjord.
Mit der Kamera unterwegs, während der Norden langsam hell wird.
Kleiner Vogel auf einem Felsen im Schnee.
Ein kleiner Besucher im großen Winterpanorama.

Auf dem Rückweg hatte mein Handy noch acht Prozent Akku. Was ich vorher schnell als Memo verschickte, war entsprechend ungefiltert: fantastisch, traumhaft, gigantisch. Mir fehlten schlicht die passenden Wörter. Fotos waren wichtig, aber gleichzeitig wusste ich schon in diesem Moment, dass sie das Dastehen, die Kälte und die Weite nicht vollständig mitnehmen konnten. Ein kleiner Vogel, der dort oben auftauchte, bekam trotzdem seinen eigenen Platz zwischen den großen Landschaftsbildern.

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03

Wenn die Straße sagt: heute nicht

Noch am selben Tag stand die nächste Lektion an. Eine Straße war gesperrt, und mein Ziel lag nur noch etwa 23 Kilometer entfernt. Auf der Karte sah das nach fast geschafft aus. In der Wirklichkeit hieß es: keine passende Ausweichroute, also umplanen. Im Winter reicht es nicht, dass ein Ort auf einer Wunschliste steht. Man muss auch dorthin kommen können.

Am 17. Februar wartete ich zwanzig Minuten in einem Tunnel. Vor mir standen ein paar Autos und Lastwagen, ein Schneepflug war vorbeigefahren. Draußen lagen hohe Schneewände; später ging es nur im Konvoi weiter. Ein Tag darauf fiel auch eine geplante lange Bergwanderung aus. Ich hatte nachgelesen, was der Aufstieg unter diesen Bedingungen bedeuten würde, und entschied mich dagegen. Allein, ohne die passende Winterausrüstung und mit der Aussicht auf eine ungeplante Nacht oben war das keine gute Idee.

Verschneite Zufahrt in Norwegen.
Eine geschlossene Straße verändert den Tagesplan schneller als jede Wetter-App.
Weite norwegische Schneelandschaft unter hellem Himmel.
Meine „Wüste Norwegens“: Weiß bis weit zum Horizont.
Camper in verschneiter norwegischer Landschaft.
Der Van im Wintermodus.

Stattdessen gab es einen Wasserfall auf der Weiterfahrt und ein kurzes Loch in der Wolkendecke, das ich für Aufnahmen nutzte. Danach verschwanden die Berge wieder hinter dem Wetter. Aus einem gestrichenen Plan wurde also kein verlorener Tag. Es wurde einfach ein anderer. Genau das musste ich unterwegs immer wieder lernen.

Auch die Tunnel selbst wurden zum Erlebnis. In einem davon fuhr ich so lange, dass ich eine Nachricht nach Hause schickte: immer noch Tunnel, sogar Empfang, und offenbar noch lange nicht durch. Im Familienchat begann sofort die Recherche nach Länge, Baujahr und weiteren spektakulären Tunneln. Die blau beleuchteten Hallen auf der Strecke fühlten sich beinahe wie ein eigener kleiner Ort unter dem Berg an. Mein persönlicher Beitrag zur Diskussion war vor allem Staunen.

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04

Lofoten: tagsüber Berge, nachts ein anderer Himmel

Am 20. Februar sah ich zum ersten Mal auf dieser Reise Nordlichter. Wenig später brachte mich eine etwa anderthalbstündige Fähre auf die Lofoten. Nach den langen Fahrten, dem Warten und den Schneesperren war das ein neuer Abschnitt: Häfen, Häuser am Wasser, Berge, die unmittelbar hinter der Küste aufragten. Die Motive lagen nicht nur an einzelnen Aussichtspunkten. Sie begleiteten mich durch die Tage.

In der nächsten Nordlichtnacht hatte ich mehr Zeit und konnte die Kamera richtig einsetzen. Über dem Van standen grüne Lichtschleier. Ich fotografierte den Himmel und den Van darunter. Und schickte danach ein ausgesprochen zufriedenes „Jawoll, läuft!“ nach Hause.

Grüne Polarlichter am Nachthimmel über dem geparkten Camper.
Nordlichter über dem Van. Dafür bleibt man sehr gern noch ein bisschen wach.
Hafen auf den Lofoten vor schneebedeckten Bergen.
Ein Hafen zwischen Wasser und Winterbergen.
Verschneite Küstenlandschaft auf den Lofoten.
Draußen bleiben, obwohl es kalt ist.
Leuchtturm und Gebäude an der winterlichen Küste der Lofoten.
Kleine Gebäude, große Landschaft.

Zu diesen Tagen gehörte auch eine Begegnung, die nicht auf eine Landkarte passt. Ich traf jemanden, der mehrere Jahre in Göttingen Medizin studiert hatte und inzwischen wieder im Norden lebte. Mitten in Norwegen tauchte auf einmal eine Verbindung zu einer deutschen Stadt auf. In meiner Memo klang ich entsprechend ungläubig. Die Welt ist groß genug für solche Reisen und manchmal erstaunlich klein für ein Gespräch am Wegesrand.

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05

Nordkap: das Foto erzählt nur die halbe Anfahrt

Hinter den Lofoten wurde das Wetter wieder ernst. Am 24. Februar war Sturm. Der Wind drückte den Van gegen eine Leitplanke; ein Kunststoffteil wurde beschädigt. Mit Schneeketten fuhr ich zeitweise nur noch ungefähr zwanzig Kilometer pro Stunde. Das war kein Abschnitt, den ich im Nachhinein zur lockeren Abenteueranekdote machen möchte. Ich kam voran, aber langsam und mit deutlich mehr Anspannung als auf den schönen Bildern zu sehen ist.

Das Nordkap erreichte ich trotzdem. Die Weltkugel im Schnee wurde zum sichtbaren Zeichen dafür, wie weit ich inzwischen gefahren war. Hinter diesem einen Foto standen sehr viele Kilometer, Entscheidungen, verworfene Pläne und winterliche Straßen. Der Norden hatte mir bis hierher nicht einfach eine Sehenswürdigkeit nach der anderen gezeigt. Er hatte auch immer wieder die Bedingungen dafür gestellt.

Das Globus-Monument am Nordkap in winterlicher Umgebung.
Am Nordkap angekommen.
Vereiste Straße durch eine weite nordische Winterlandschaft.
Eine Straße, auf der das Reisetempo nicht vom Kalender bestimmt wird.

Für mich gehört beides in dieselbe Erinnerung: die Freude, dort zu stehen, und die Fahrt dorthin. Wer nur das Gipfel- oder Nordkapbild sieht, übersieht leicht alles, was dazwischenliegt. Gerade deshalb habe ich die Nachrichten und die unspektakuläreren Straßenbilder aufgehoben. Sie erzählen, warum dieser Ort für mich mehr war als ein kurzer Halt.

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06

Finnland: Schnee, Sauna und dann die Stadt

Nach dem hohen Norden folgten weitere Wintererlebnisse: eine Fahrt mit dem Hundeschlitten, Schneemobile und schließlich ein Campingplatz, auf dem auch ganz gewöhnliche Dinge wieder wichtig wurden. Wäsche waschen zum Beispiel. Nach vielen Tagen unterwegs fühlte sich das fast wie ein eigener Programmpunkt an. Die Sauna passte ebenfalls sehr gut zu einer Außentemperatur von ungefähr minus vierzehn Grad.

Hundegespann vor einem Schlitten auf einem verschneiten Weg.
Ein Wintertag aus einer anderen Perspektive.
Schneemobile in einer verschneiten Landschaft.
Unterwegs mit dem Schneemobil.

Anfang März war ich in Helsinki. Nach den großen Naturräumen tat mir die Stadt als fotografischer Wechsel gut. Ich lief los und suchte keine spektakuläre Landschaft mehr, sondern Licht, Linien, Menschen und kleine Situationen. Kostenlos parken konnte ich in der Nähe der Fähren – idyllisch ruhig war es dort allerdings nicht. Der Van auf dem Parkplatz und die großen Schiffe daneben waren dafür ein ziemlich anschaulicher Größenvergleich.

Camper neben einem großen Fährschiff in Helsinki.
Praktisch gelegen, nur nicht unbedingt leise: mein Platz bei den Fähren.
Weiße Domfassade mit Freitreppe in Helsinki.
Helsinki zu Fuß und mit offenen Augen.
Segelboot und Hafenansicht in Helsinki.
Vom Hafen in die Stadt und wieder zurück.
Architekturaufnahme aus Helsinki.
Ein anderer Rhythmus nach den Winterstraßen.

Ich mochte die Freiheit, einfach der nächsten interessanten Szene zu folgen. In den Nachrichten nach Hause wurde sogar über einzelne Fotos diskutiert: Was macht aus einem Basketballkorb ein gutes Bild? Für mich waren es Perspektive und Sonne, die durch das Netz schien. Gerade diese kleinen Motive erinnerten mich daran, dass ich nicht bis zum nächsten berühmten Ort fahren musste, um etwas Sehenswertes zu finden.

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07

Mit der Fähre nach Estland – und länger bleiben als gedacht

Am 4. März ging es mit der Fähre Richtung Tallinn. Die Überfahrt dauerte etwa zweieinhalb Stunden, gegen halb eins nachts war ich angekommen. Es gab sogar einen Aufenthalt in der Business-Lounge und eine Begrüßung durch den Kapitän. Nach all den Nächten im Van war das eine durchaus angenehme Variante des Unterwegsseins.

Estland wurde viel mehr als eine kurze Durchgangsstation. Ich war am Meer, fotografierte in Tartu, besuchte ein interaktives Physikmuseum und schaute mir einen Meteoritenkrater an. Zwischen Stadtaufnahmen und kleinen Ausflügen lagen ruhigere Tage. Nicht jede Nachricht berichtete von einem neuen Rekord an Kilometern oder einer spektakulären Wanderung. Manchmal war da einfach der Van im Abendlicht.

Küstenlandschaft in Estland.
An der estnischen Küste wurde das Tempo ruhiger.
Interaktive Ausstellung im Physikmuseum in Estland.
Wissenschaft zum Ausprobieren statt nur zum Anschauen.
Leuchtende Plasmakugel in einer Ausstellung.
Ein kleiner Gegenpol zu den großen Landschaften.
Stadtszene mit Tartu-Schriftzug.
Mit der Kamera durch Tartu.
Bewaldeter Krater in Estland.
Ein Ausflug zum Meteoritenkrater.
Camper im warmen Licht der tief stehenden Sonne.
Ein Abend, für den es keinen weiteren Programmpunkt brauchte.

Eigentlich wollte ich Mitte März über Riga und Warschau Richtung Deutschland zurück. Dann kam COVID dazwischen. Statt weiterzufahren, blieb ich zur Quarantäne in Estland. Der geplante Ablauf war damit erledigt. Die Reise wurde länger, und die Rückfahrt begann erst später. Das gehört genauso dazu wie die Nordlichter: Unterwegs lässt sich vieles frei entscheiden, aber eben nicht alles.

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08

Riga, Warschau, ein Umweg – und wieder zu Hause

Am 26. März war ich schließlich in Riga. Danach übernachtete ich in Litauen und fuhr weiter nach Warschau. Die Altstadt dort überraschte mich. Unten fand ein großer Lauf statt, während ich durch Straßen mit Musikern und einer entspannten Stimmung spazierte. In meiner Sprachnachricht klingt noch deutlich durch, wie gut mir die Stadt gefiel. Nach den vielen nördlichen Winterlandschaften war das ein sehr lebendiger Abschluss.

Historische Fassaden in Riga.
Riga auf dem verspäteten Heimweg.
Das Schwarzhäupterhaus in Riga.
Noch einmal stehen bleiben und nach oben schauen.

Anschließend sollte es nach Prag gehen. Durch die gewählte Route zur Mautvermeidung geriet ich auch noch in die Slowakei. Der Rückweg hatte also selbst zum Schluss eine kleine geografische Zugabe parat. Prag erreichte ich ebenfalls, am 28. März dann Deutschland. Unter der Reise stand am Ende die Zahl von rund 11.000 Kilometern.

Wenn ich heute auf diese Wochen schaue, fallen mir zuerst die großen Bilder ein: der Fjord im Morgenlicht, die Lofoten, die grünen Schleier über dem Van. Gleich danach kommen die anderen Erinnerungen. Ein kalter Fuß. Warten im Tunnel. Wäsche auf dem Campingplatz. Die Familie, die aus der Ferne Tunnel recherchiert. Und eine Stadt, die mich kurz vor der Heimkehr noch einmal richtig begeistert. Erst zusammen erzählen sie, wie dieser Winter im Norden wirklich war.

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Schneebedeckte Felsen über einem norwegischen Fjord im Morgenlicht.

Neue Orte. Neue Geschichten.
Und immer wir. ♡

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